Marine-Peiler (Direction Finder)

Das 220 x 150 x 70 mm kleine graue Gerät ist ein Stück interessanter Technik-Geschichte. In Zeiten, als man zur Navigation auf See noch nicht auf GPS zurückgreifen konnte (das Gerät stammt aus den frühen 70-er Jahren), war Einfallsreichtum gefragt. Zur Ortsbestimmung auf See wurden Funkbaken benutzt, die angepeilt wurden. Die eigene Position war im Schnittpunkt von mind. 2 Peil-Linien. Dieses kleine portable Gerät war wohl weniger für die professionellen Einsatz als vielmehr für den Hobby-Skipper in Küstennähe gedacht. In der Bedienungsanleitung (ganz unten) sind verschiedene Peilmethoden beschrieben.

Gepeilt wurde mittels Funk-Baken im "Beacon"-Frequenzbereich (190-400 kHz), maritine Wettermeldungen konnten im "Marine"-Bereich (1,6 - 4,5 MHz) empfangen werden, z.B. auch Norddeich-Radio (Betrieb seit Ende 1998 eingestellt). Der "Broadcast"-Bereich (Mittelwelle) reicht von 550 - 1600 kHz.

Funktechnisch ist das Gerät nichts Außergewöhnliches und Stand der Technik zu Beginn der 70-er. Erstaunt hat mich, dass zum Wellenumschalten ein 12-fach Umschalter x3 Verwendung findet. Da werden die Spulen aufwändig umgeschaltet, nicht benutzte Spulen kurzgeschlossen. Zum Teil mit recht langen Zuleitungen. Im "Marine"-Band lässt sich der Gleichlauf der Kreise nur leidlich (un)genau einstellen. Lang- und Mittelwelle sind ausgezeichnet.

Fig. 1: 8-Transistor-Marine-Peiler mit drehbarer Ferritantenne (der Kasten oben). Der kombinierte Einschalter/Lautstärkeregler befindet sich links oben. Darunter der "DF-Level"-Regler ermöglicht das Ausschalten der autom. HF- u. ZF-Verstärkungsreglung (AGC) und das manuelle Einstellen des Feldstärke-Instruments. Beim Drehen der Antenne ist damit der Minimal-"Dip" besondert deutlich erkennbar. Der Sender liegt dann um 90° gedreht orientiert. Im Handbuch (unten) sind verschiedene Peilmethoden beschrieben.
Rechts oben der Abstimmknopf, darunter der Wellenschalter.

Fig. 2: Der Kasten ist um 180 Grad drehbar und mit ausklappbaren Visiermarken versehen. Rechts der kleine Knopf lässt bei Betätigung die Skala erleuchten. Im Inneren des Kastens sind übrigens 2 Ferritantennen (parallel angeordnet): eine gemeinsame für Mittel- ("Broadcast") und Kurzwelle ("Marine") und eine für Langwelle ("Beacon")

Fig. 3: Rückseite mit leicht zu öffnender Rückwand und ext. Antennenanschluss

Fig. 4: Typschild

Fig. 5: Das Feldstärkeinstrument, das ausschließlich bei manueller Verstärkungseinstellung wirksam ist und der "BFO"-Schalter. Der BFO lässt unmodulierte Träger besser erkennen (dabei handelt es sich eigentlich garnicht um einen BFO sondern um einen kleinen NF-Generator (s. Schaltbild). Keine Ahnung, wie das funktioniert...

Fig. 6: Der Peilrahmen von oben mit 2x 0-90°-Einteilung

Fig. 7: Die Innereien: links oben die drei Spulen mit den dazu gehörenden 3 Trimmern sind Teile des Mischoszillators. Direkt darunter die HF-Zwischenkreise direkt vor der Mischstufe. Die Vorkreise bestehen aus den Spulen der Ferritantennen. Mittig direkt unterhalb des Kastens die Vorkreis-Trimmer. Der Drehkondensator hat 3 Pakete (1x Vorstufe, 1x Zwischenkreis, 1x Oszillator). Rechts der Mitte findet sich der 2-stufige ZF-Verstärker mit dem gelben, weißen und schwarzen ZF-Spulenfilter. Japan-Standard! Weiter oberhalb der NF-Teil mit den beiden NF-Übertragern (weiter unten).

Für die technisch Interesierten folgen das englisch-sprachige Manual und das vergrößerte und besser lesbare Schaltbild, jeweils als .pdf-Dokument.
Weitergehende Infos gibt es hier.

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