Die Super-Sicherung

Ich habe diesen Artikel stirnrunzelnd gelesen und dann ein Bisschen gerechnet...

Der Autor hat nicht angegeben, an welchem Widerstand der Dämpfungsfaktor (DF) gemessen wurde; der DF ist definiert als das Verhältnis von Lastwiderstand zu Innenwiderstand der Quelle, also Lautsprecher-Impedanz zu Verstärker-Innenwiderstand. Geht man im 1.Fall von dem erwähnten DF=350 aus, dann ergibt sich (bei einem vermuteten 8 Ohm-Lautsprecher) ein Verstärker-Innenwiderstand von 0,0229 Ohm. Beim Dämpfungsfaktor von 500 (mit der tollen Sicherung) verringert sich der Ausgangswiderstand auf 0,0160 Ohm. (Hinweis: bei 4 Ohm-Lautsprechern halbiert sich der DF)

Diese (m.E. unrealistisch) hohen Dämpfungsfaktoren können nur dann voll genutzt werden, wenn die Lautsprecher mit Null Meter Länge Kabel angeschlossen werden!

Bei einer angenommenen realistischen Kabellänge von 10 Metern (Leiterlänge = 20m) und bei einem angenommenen Querschnitt von 4 qmm reduziert sich der tatsächlich wirksame DF rein rechnerisch auf 74,9 (ohne die Supersicherung) bzw. auf 80 (mit der tollen Sicherung) - wegen des Kabelwiderstandes!

Es würde reichen, das Kabel um 82 cm !! zu kürzen, um von 74,9 auf 80 aufzuschließen (das ist viel billiger als die 30 € teure Sicherung)

Mir wird wohl jeder zustimmen, dass man die Verkürzung des Lautsprecherkabels von 10m auf 9,18m nicht hören wird...

Der Autor gibt an, dass im Gerät eine 3,15A Sicherung Verwendung findet. Die Messung und Gegenüberstellung der Sicherungswiderstände wird aber für eine 250mA Sicherung gemacht! Ich habe 3 verschiedene 3,15A Sicherungen aus meiner Krabbelkiste gemessen; die Widerstände liegen zwischen 0,010 und 0,020 Ohm (unter Last mögen sich diese Widerstände leicht erhöhen). Hinweis: ein 1,5m Netzanschlusskabel mit 1,5 qmm hat schon 0,034 Ohm und liegt damit höher als der Widerstand der Sicherung und hat damit auch deutlich mehr Einfluss als die Sicherung! Und nach der Steckdose geht das Kabel weiter...

Wie die Werte zeigen, liegen die Widerstände der 250 mA und 3,15A Sicherungen um Größenordnungen (ca. Faktor 100) auseinander und lassen sich nicht vergleichen. Werte für eine 3,15A Sicherung hat der Autor nicht angegeben.

Fraglich ist auch, wieso der Gesamtwiderstand auf der Primärseite des Netztrafos überhaupt Einfluss auf den Dämpfungsfaktor haben soll. Bei hochgegengekoppelten (Transistor-) Verstärkern sollten solche Einflüsse eigentlich herausgeregelt werden. Und komisch, dass gerade Röhrenverstärker mit ihren DF im 1-stelligen Bereich so gut klingen...

Der Artikel ist ein Paradebeispiel für (den) manipulativen unseriösen Journalismus (der Hifi-Zeitschriften): es wird mit vermeintlich harten Fakten argumentiert. Wenn man genau hinschaut, haben die Argumente keinen Bestand. Es werden Äpfel mit Birnen verglichen und Tatsachen verschwiegen. Der Autor ist nach eigenen Angaben Ingenieur; mit diesem Artikel macht er seinem (und meinem) Berufsstand keine Ehre... Hifi-Zeitschriften lese ich schon lange nicht mehr!

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